Cris Gavazzoni & Nativa Brasileira Band — Jardim Japonês
Jazz: Die Mannheimer Perkussionistin Cristiane Gavazzoni legt eine brillante Debüt-CD vor
Mannheims Musikszene ist um eine Attraktion reicher: Die brasilianische Schlagzeugerin Cristiane Gavazzoni, Master-Absolventin des Jazz-Zweiges der hiesigen Musikhochschule, legt mit der CD »Jardim Japones« (auf dem neuen Label Pianojoe Records des Mannheimer Pianisten Joe Völker) ein beeindruckendes Debüt vor. Imponierend vor allem deshalb, weil die höchst originelle Musik so gar nicht hüftschwingendem Samba-Klischee entsprichL
Viel eher wirken die Stücke, größtenteils Eigenkompositionen, durchdacht, kultiviert, transparent; wie Kammermusik, gleichennaßen geprägt von Folk, Jazz und Klassik. Diese Mixtur entfaltet einen faszinierenden KIangzauber: Gavazzoni und ihre Kernband (Sanatsu ltaya, Flöte; Katrin Metje, Gesang, João Luis Nogueira und Luis Cardoso, Gitarre; Gregor Engelhardt, Piano; Katharina Gross, Bass) entführen samt Gastmuslkern in tropische, bukolische Phantasielandschaften — verwunschene Orte, an denen sich filigrane Flöten-Schnörkel ranken, glitzernde Piano-Kaskaden perlen, sinnliche Sirenengesänge locken und Rhythmen sich pochend, raschelnd und klingelnd verflechten. Doch dieses Dickicht ist kein Wlldwuchs, sondern mit Bedacht angelegt. Das Bild vom japanischen Garten im Titel der CD passt also durchaus.
Atmosphärisch präsentiert sich das Album aus einem Guss: Lyrisch, leicht und traumhaft inszeniert die Trommlerin ihre sanft verspielten Stimmungsbilder. Dabei besticht die Sparsamkeit der Instrumentierung, die der Musik Raum lässt zum Atmen und Sich-Entfalten. In diesen Rahmen fügen sich auch lebhaftere Stücke wie der brodelnde urbane Funk-Rap von »Jabuti«, die im Stil von Hermeto Pascoal melodisch vertrackte Samba-Abstraktion »Maradosul« onder die rätselhaft dunkle Dschungel-Beschwörung »Chuva & Waldwind« mit ihren archaischen Ritualrhythmen und dissonanten Geistermelodien. Gipfel- und Schlusspunkt der Abenteurreise ist ein von dem japanisch-brasilianischen Komponisten João Egashiro für Cristiane Gavazzoni geschriebenes Kabinettstück, in dem Percussion-Einlagen sich harmonisch einfügen in eine facettenreich schillernde Collage aus Salonmusik, Sinti-Swing, Ragtime und Samba. Wo hat man so etwas schon gehört? Gerhard Spindler, Mannheimer Morgen, Jan. 2009
